Bei der FIBO waren Muskeln ein zentrales Thema.

Die FIBO. Die größte Fitness und Bodybuilding Messe weltweit. Ein Ereignis, bei dem Fitnessinnovation, -konsum und -wahnsinn nicht enger beieinander liegen können. An vier Tagen im Jahr können Hobbysportler, Fitnessfreaks, Fitnessexperten und Start-Ups sich von den neuesten Trends und Standards der Branche begeistern lassen. Jeder Stand soll der größte und jede Community die beste sein. Die Athleten präsentieren sich von ihrer besten Seite: In Solariumbräune, knappen Höschen und mit strahlend weißem Zahnpastalächeln wird auf den kleinen Bühnen vor den Ständen geposed was das Muskelzeug hält. Das ist eine Seite der FIBO, die sich vermutlich in den Köpfen manifestiert hat und ein Image, welches die Messe wahrscheinlich nicht mehr los wird. Es gibt jedoch noch eine andere Seite, die oft außer Acht gelassen wird: Am 13 April 2018 fand dieses Jahr der 6. Physiotherapie – Tag auf der FIBO statt, dessen Thema in diesem Jahr die lumbale Rückenfaszie als eine Ursache für Kreuzschmerz war. In fünf Vorträgen über Studienergebnisse und noch laufende Studien wurde dieses Thema von verschiedenen Experten unterschiedlicher Fachbereiche erörtert. Von an Ratten durchgeführten Experimenten über Werbeveranstaltungen bis zur sportwissenschaftlichen Betrachtung der Thematik war alles dabei.

Prof. Dr. Siegfried Mense nahm die Schmerzmechanismen der Muskulatur eingangs genauer unter die Lupe und stellte drei Hypothesen in den Raum, welche er durch empirische Experimente belegt:

  1. Eine funktionelle Störung auf Faszienebene kann die gleiche Symptomatik wie ein Bandscheibenvorfall (BSV) verursachen. Hierfür sind oft Triggerpunkte im M. Gluteus minimus verantwortlich.
  2. Die Fascia Thoracolumbalis besitzt eine dichte nozizeptive Innervation. Sie gilt sogar als schmerzempfindlichstes Weichteil im Rücken.
  3. Muskeldehnung ist eigentlich Faszien-/Bindegewebsdehnung.

Wie man Schmerzursachen in Ursache(n)-Folge-Ketten erkennt, erörterte Thomas Mummert. Er stellte dar, weshalb eine Störung im oberen Sprunggelenk (OSG) nicht nur im Sprunggelenk Probleme bereiten kann, sondern dass dies durch Kompensationsmechanismen, Schonhaltungen und veränderten Muskelspannungen langfristig zu Rückenleiden führen kann.

Jan Wilke befasste sich mit dem Thema „Faszienbehandlung in der Sporttherapie“. Er führte aus, was sich mit der Faszienbehandlung bewirken lässt, wo die Knackpunkte in der Behandlung liegen und welche Möglichkeiten die Therapeuten und Patienten haben.

Ein Vortrag über Dryneedling, vorgestellt durch einen Referenten aus den Niederlanden, entpuppte sich leider als Werbeveranstaltung und Selbstdarstellung des Referenten, der diese Behandlungsmethode erfolgreich praktiziert. Thema war also viel mehr seine eigene Person und seine Arbeit und weniger das Dryneedling. Eine weitere Präsentation sollte vermitteln, wie man entzündliche Mediatoren und Schmerz mit der interdisziplinären Faszientherapie regulieren kann. Doch auch diese Veranstaltung war in erster Linie eine Werbeveranstaltung für den FasciaReleaZer, der durch Vibration eine bestimmte Mediatorengruppe stimulieren und durch das Vibrationsmuster die Atmung des Patienten lenken soll, sodass dadurch das vegetative Nervensystem stimuliert wird.

Fazit: Der 6. Physiotag hat keine bahnbrechenden Neuheiten hervorgebracht und war hier und da eine kleine Werbeveranstaltung. Jedoch hat er gezeigt, dass die Forschungsarbeit im Bereich der Physiotherapie am Laufen ist und bisher angenommene Theorien lassen sich nun Belegen. Die wichtigsten Punkte, die ich aus diesem Tag mitnehme, stammen aus dem ersten Vortrag von Prof. Dr. Mense, Herrn Mummert sowie Herrn Wilke. Die Faszienthematik wird uns noch lange begleiten, ob als Physiotherapeut oder Sportler. Sie ist natürlich aktuell ein Trendthema in jedem Fitnessstudio oder Gesundheitszentrum, weshalb es letztlich von den Veranstaltern auch ein schlau gewählter Publikumsmagnet war.

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