Fun Fact: Aus Bäumen kann man Papier machen. Fabian Schwarze | StudentenPACK.

Fun Fact: Aus Bäumen kann man Papier machen.

Die diversen Gesichter an Bäumen, Laternen, Zäunen, Mauern, Schafen, Kühen und Deichen können nur eines bedeuten – nicht, dass die Milchpreise gestiegen sind oder ein plötzlicher Drang bestand, die Natur mit Fotos von mehr oder weniger bekannten aber immer gleichen Personen zu verschönern. Nein! Es ist schon wieder eine Wahl. Das norddeutsche Flachland stellt einen neuen Landtag auf und diesmal können wir uns nicht darauf verlassen, dass die Hanseaten Lübecks für das nötige Kleinholz sorgen, wie sie es vor Hunderten Jahren gemacht haben, als sie den Dänen Land abkauften, es rodeten und das Land zum gleichen Preis wieder verkauften. Aber wie viel Holz braucht man eigentlich, um Demokratie spielen zu dürfen?

Gehen wir davon aus, dass alle Wahlberechtigten Schleswig-Holsteins in den letzten Wochen eine Wahlbenachrichtigung mit zwei Seiten zur kommenden Landtagswahl erhalten haben. Mit dem zugehörigen Umschlag (hier als eine Seite gerechnet) kommen wir bei etwa 2,3 Millionen Briefen bereits auf 6,9 Millionen Seiten Papier. Hinzu kommt der im Wahllokal oder per Briefwahl abgeschickte Wahlzettel (ungefähr zwei A4-Seiten lang). Bei der letzten Bundestagswahl lag der Anteil der Briefwähler bei 24,3 Prozent. Mit jeweils einem Wahlzettel und drei Umschlägen zusätzlich für die Briefwähler erreichen wir 9.694.500 Seiten Papier. Dazu kommen pro Wahllokal in Schleswig-Holstein – dies sind ungefähr 2600 – zusätzlich ungefähr 100 Seiten Wahlhelferinformationen und Wahlanordnungen.

Insgesamt sind es also eine Seite Briefwahlantrag, eine Wahlbenachrichtigung, ein Umschlag und ein Wahlzettel pro Bürger. Dazu jeweils zwei Umschläge für die 558.900 Briefwähler und jeweils ungefähr 100 Seiten für jedes der 2600 Wahllokale. Damit kommen wir auf 9.954.500 A4-Seiten Papier.

Laut der Sendung mit der Maus können aus einem durchschnittlichen Kiefernstamm rund 80.500 A4-Seiten Papier hergestellt werden. Für die zuvor bedachten 9.954.500 Blatt Papier müssten also mindestens 124 Kiefern gefällt werden.

Da es sich beim verwendeten Papier um Recyclingpapier handelt, sind nur ungefähr 40 Prozent neue Bäume notwendig, um die Festigkeit des Papiers beizubehalten – ohne dabei das Wasser zur Produktion oder die benötigten Bleichmittel zu beachten. Hierzu weiß die Maus: „Dabei eignet sich nicht jede Holzart gleichermaßen gut. […] Gut geeignet sind deshalb Nadelbäume wie Fichte, Lärche, Tanne oder Kiefer.“ Die im Dezember beim Bürgerentscheid geretteten Linden wären nicht zur Papierherstellung geeignet gewesen.

Zu den bereits jetzt gefällten 124 Kiefern kommen zudem noch diejenigen, die für den Druck der diversen Wahlplakate benötigt werden Wie viele Bäume zählen eigentlich als Wald? Sind 85 Kiefern bereits ein Kiefernwald? Oder erst die 124 Kiefern? Laut dem Forstwissenschaftler Dr. Martin Lorenz „muss ein Wald eine Mindestfläche von einem halben Hektar (5000 Quadratmeter) haben. Diese Fläche braucht nur zu einem Zehntel von Baumkronen überschirmt zu sein. Die Anzahl der Bäume spielt in der Definition keine Rolle.“ Unsere ausgewachsenen Kiefern bedecken mit ungefähr 100 Quadratmetern Baumkrone bei maximalem Baumkronenabstand also mindestens 1,24 Hektar – damit steht unser Wald.

Dabei sind nicht einmal die Mengen an Werbeflyern, Infobroschüren, Wahlprogrammen und Flugblättern eingerechnet, die die Parteien täglich in den Innenstädten und Lokalbüros unter die Leute bringen, um den ein oder anderen Bürger zu gewinnen, der nicht bereits durch vorher verteilten Traubenzucker oder den achtlos hinterhergeworfenen Kugelschreiber überzeugt wurde – irgendwo habe ich auch noch den SPD-Kugelschreiber der Landtagswahl Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2007.

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