Zu den wichtigsten Pflichtterminen im Wintersemester gehört der regelmäßige und ausgiebige Weihnachtsmarktbesuch. Da Aufwärmen bekanntlich auch von innen geht, bietet sich neben Glühwein oder Schoko-Minttu auch ein Getränk mit dem melodischen Namen Lumumba (Kakao mit Rum) an. Dieser Name ist nicht etwa reine Fantasie oder der Möglichkeit geschuldet, auch nach mehreren Tassen immer noch unfallfrei „Lumumba“ sagen zu können, sondern vielmehr der Kampfname des kongolesischen Revolutionärs Patrice Lumumba, der vor 56 Jahren die heutige Demokratische Republik Kongo zur Unabhängigkeit von Belgien führte und deren erster Ministerpräsident wurde, nach einem Jahr aber in einer CIA-gestützten Militärmeuterei ermordet wurde. Doch dieser Tage verbinden wir mit seinem Namen nicht den langen Kampf Afrikas mit dem Kolonialismus: Wer Lumumba hört, denkt an Kakao und Rum. Warum heißt ein Weihnachtsmarkt-Getränk nach einem afrikanischen Freiheitskämpfer? Waren alle Piraten-Wortwitze bereits vergeben? Das Internet kennt keine zufriedenstellende Antwort, man darf befürchten, der Grund sind der Kakao und ein bitterer Schuss Rassismus. Schließlich datiert der Begriff in Belgien, wo der Freiheitskämpfer verhasst war, bis in die Regierungszeit Lumumbas zurück und dürfte auch aufgrund der farblichen Assoziation bestenfalls spöttisch gemeint sein.

Lumumba wäre also mal reif für eine Umbenennung. Im Gegensatz zum Mönkhof Karree, dem Einkaufzentrum im Hochschulstadtteil. Das heißt jetzt nämlich „Campus Lübeck“. Verwechslungsgefahr ist dabei natürlich beinahe ausgeschlossen. Vielleicht wächst aber der eigentliche Lübecker Campus bald bis dorthin, dann wäre es zumindest teilweise richtig.

Erfreulich hingegen ist, dass im medizinischen Vokabular Eponyme mit Bezug zum Nationalsozialismus wie die Wegener-Granulomatose oder das Reiter-Syndrom zunehmend durch andere Begriffe ersetzt werden.

„Der Name ist ein Stück des Seins und der Seele“, lässt Thomas Mann den Schridaman in „Die vertauschten Köpfe“ sagen. Aber vielleicht ist das Unsinn. Vielleicht ist der gute Name wirklich ein hohes Kleinod, wie Friedrich Schiller meinte. Ein Kleinod, das neben einer Beschreibung auch eine Intention widerspiegelt. Nicht hoffen möchte man das natürlich bei dem in Friesland gebräuchlichen Namen für das Kakaogetränk mit Rum – es wird dort als „Tote Tante“ bezeichnet. Das zumindest dürfte an der Glühweinbude für ein paar einfache Wortwitze sorgen.

Patrice Lumumba kann sich – wie auch Friedrich Schiller, Thomas Mann und jede tote Tante dieser Welt – nicht mehr wehren. Es ist also an allen Übrigen, ihre Namen so zu verwenden, dass es erstens passt, zweitens aber auch dem Benannten wie dem Namensträger gleichermaßen gerecht wird. Das erfordert, dass oftmals ernsthafte Diskussionen über Namen und deren Beibehaltung oder Umbenennung erfolgen müssen. Diskussionen, die man zum Beispiel mit dem Glühweinverkäufer führen kann, wenn man Kakao mit Rum bestellt.

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