BerichtenLukas Ruge | StudentenPACK.

Es geschieht immer wieder, dass wir im StudentenPACK über ein Thema berichten, welches in einem der Gremien der Universität, sei es der Senat oder das StuPa, als Internum verstanden wird, zum Beispiel weil es noch zur Abstimmung stehen wird. Und obwohl Details noch nicht öffentlich sein sollen, stehen sie im StudetenenPACK. Dies führt gelegentlich auch zu Verstimmungen. In diesem Text möchten wir beschreiben, wie wir arbeiten und welche Regeln wir uns dabei gegeben haben.

Darf man das?

Manchmal werden wir gefragt, ob das erlaubt sei: Darf sich eine Studentenzeitung über das Geheimhaltungsgebot ihres Uni-Präsidenten oder ihres AStAs stellen oder sind auch wir der Verschwiegenheit verpflichtet? Manchmal wird uns auch vorgeworfen, wir schaden damit dem Image der Uni, insbesondere wenn wir den Konflikt zwischen verschiedenen Gruppen über eine kontroverse Entscheidung inhaltlich wiedergeben. Diskussion innerhalb der Gremien sei vielleicht notwendig, aber ist es richtig, „den Dreck nach Außen zu kehren“?

Diese Fragen kommen insbesondere bei Texten auf, zu denen wir von Anderen Lob erhalten. Von deren Seite heißt es, dass wir dabei helfen, eine offene Diskussionskultur an der Universität zu fördern und ein Verständnis für die oft im Verborgenen stattfindende Entscheidungsfindung herstellen.

Auch wir kämpfen mit diesen Fragen. Für uns heißt das, dass wir lange darüber diskutieren, ob ein Thema überhaupt veröffentlicht gehört, was das berechtigte Interesse daran ist und ob wir über die gesicherten Fakten verfügen, das Thema objektiv, klar und deutlich zu präsentieren. Unser Ziel ist es, nur dann zu veröffentlichen, wenn dies der Fall ist. Wir machen es uns nicht einfach: Der Text zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dominiak wurde, so zeigt unsere Software, über 90-mal überarbeitet, bevor wir den Text für fertig hielten.

Bevor wir etwas veröffentlichen, arbeiten wir nach redaktionsinternen Regeln, die wir uns gegeben haben und die wir kontinuierlich verbessern. Wir möchten einige davon nennen und erklären.

Regeln in der Redaktion

Eine der wichtigsten Regeln überall wo Journalismus betrieben wird, auch bei etwas so kleinem wie einer Studentenzeitung, ist der Quellenschutz: Selbstverständlich geben wir anonyme Quellen niemals bekannt, selbstverständlich kann sich jeder sicher sein, dass das, was er einem Redakteur des StudentenPACKs im Vertrauen als Hintergrundinformation gibt, nicht einfach seinen Weg in einen Artikel findet, sondern lediglich Basis der Nachforschungen wird. Gleichzeitig gilt aber auch: Wer sich in großer Öffentlichkeit äußert, kann zitiert werden. Dazu zählen Vollversammlungen, öffentliche Teile von Gremiensitzungen und auch der uniweite Email-Verteiler.

Aber wann ist ein Redakteur ein Redakteur und wann nicht?

Mitgliedschaften der Redakteure in anderen Gremien und Gruppen stellen immer wieder eine Quelle für Konflikte dar. Denn wer in einem Gremium mitarbeitet, muss den anderen Gremienmitgliedern vertrauen können. Leider kommt es durchaus vor, dass einem Mitarbeiter dieser Zeitung in irgendeiner Gruppe misstraut wird, weil er sich auch bei uns engagiert. Ein Redakteur kann sein Gehirn zur Redaktionssitzung nicht löschen. Bei uns gilt deshalb: Was ein Redakteur ausschließlich wegen seiner Mitgliedschaft in einem Gremium weiß, zum Beispiel weil es über einen internen Mailverteiler ging, kann nicht als Quelle für einen Text dienen. Redakteure können selbst keine Whistleblower oder anonymen Quellen bei uns sein. Informationen müssen in einer öffentlichen Sitzung besprochen, in ein beschlossenes Protokoll geschrieben oder auf irgendeine andere Art für die Öffentlichkeit zugänglich sein, damit sie genutzt werden dürfen. Eine andere Möglichkeit ist natürlich, dass sich Quellen von außerhalb der Redaktion mit vertraulichen Informationen an uns wenden.

Bei Gesprächen oder im direkten Mail-Austausch machen wir explizit klar, dass wir als Redaktionsmitglied mit jemandem reden.

Bei Artikeln zu noch anstehenden Senatsbeschlüssen oder anderen potentiell kontroversen Themen, gilt bei uns ein Zwei-Quellen-Prinzip. Wenn wir keine Belegdokumente haben, müssen wir Informationen von mehreren Personen genannt bekommen. Solange wir nur eine Quelle haben, die eine Information weitergibt, ist diese Information nicht druckreif. Oft heißt das, dass wir Hintergrundinformationen durch eine zweite Quelle bestätigen lassen, um sie in den Artikel einarbeiten zu können. Das führt auch dazu, dass manches, von dem wir wissen, dass es so ist, nicht in den Artikel kommt oder Texte gar nicht geschrieben werden können. Wir glauben, es ist besser unsichere Informationen auszusparen als unabsichtlich Fehlinformationen zu verbreiten.

Der Text erscheint, wenn er fertig ist. Natürlich ist es schön, der Erste zu sein. Unter vielen Medien mit ihren „Eilmeldungen“ ist dies geradezu ein Gebot, auch weil es um Verkaufszahlen geht. Wir verkaufen nichts! Jeder Student hat mit seinem Semesterbeitrag das StudentenPACK bereits bezahlt. Deswegen überlegen wir uns, welche Themen ein Text behandeln sollte, um wirklich umfassend zu informieren. Das dauert ein paar Tage und manchmal – wie beim Thema Ehrendoktortitel für Annette Schavan – hat das dazu geführt, dass uns andere Medien überholt haben, obwohl wir doch recht nah an den Quellen saßen.

Neutralitätsgebot

Natürlich vertreten Autoren in Texten auch manchmal eine Meinung. Dies kommt insbesondere bei den kontroversen Themen vor. Wir begrüßen dies. Allerdings gilt bei uns immer: Wer ein Thema journalistisch bearbeitet, muss gut recherchierte Fakten auf den Tisch legen, muss die Richtigkeit seiner Informationen wie oben beschrieben sicherstellen und muss ebenso begründeten anderen Meinungen zumindest die Möglichkeit geben ebenfalls Gehör zu finden. Meist fragen wir diejenigen, die es betrifft, vor der Veröffentlichung nach einem Kommentar, welchen wir dann in den Text einarbeiten. Aber es gilt: Neutralität heißt nicht, dass jede Meinung Platz erhält oder gleich viel Platz. Rassistische oder sexistische Positionen finden im StudentenPACK keinen Platz.

Zudem gibt es Leserbriefe oder Einzelmeinungen. Auch diese drucken wir und kennzeichnen sie als solche. Ein Gebot der Neutralität gibt es da natürlich nicht, aber wir bieten jenen, die der Meinung widersprechen, die Möglichkeit, im StudentenPACK zu antworten. Wir prüfen diese Zusendungen auf Falschaussagen. Sollten wir eine solche zu spät entdecken, drucken wir eine Korrektur.

Wann der Text fertig ist und ob er veröffentlicht wird, entscheidet der „Chef vom Dienst“ (CvD). Nicht jeder Redakteur kann beim StudentenPACK einfach auf „Publish“ drücken und was ihm passt ins Netz stellen. Die Redaktion wählt sich zu jedem Zeitpunkt eine Leitung, welche die endgültige Entscheidung über eine Veröffentlichung trifft. Meist hält sie dazu Rücksprache mit den Redakteuren. Nur wenn der CvD von den Autoren überzeugt werden kann, dass alle journalistischen Standards eingehalten wurden, gibt er grünes Licht.

Manchmal fehlen uns Informationen, die wir gern hätten. Ein Interview kommt nicht zustande oder eine Quelle meldet sich nicht. Deshalb gilt für uns: Mit einem Artikel ist ein Thema nicht immer erledigt! Wenn wir mehr erfahren, gilt es, einen neuen Text zu schreiben.

Trotz all dieser Regeln und all unserer Vorsicht: Fehler passieren. Wir korrigieren diese, sobald wir darauf hingewiesen werden. Online weisen wir am Ende unserer Texte auf solche Korrekturen hin.

Diskussion erwünscht

Wir glauben, es ist legitim, unterschiedlicher Meinung darüber zu sein, an welchen Themen die Studierendenschaft ein berechtigtes Interesse hat und an welchen nicht, welcher Text hätte veröffentlicht werden müssen und was darin nicht. War die Ausrichtung des Textes die richtige? Meist wird uns bei solcher Kritik vorgeworfen, ein Thema zu negativ zu besprechen, manchmal, wie bei einem Artikel über Burschenschaften in Lübeck vor fünf Jahren, wurde uns das Gegenteil vorgeworfen. Wir begrüßen auch diese Diskussion und sind gern bereit, sie im StudentenPACK zu führen. Leserbriefe nehmen wir unter leserbriefe@studentenpack.de entgegen. Zwar behalten wir uns vor, über die Veröffentlichung dieser zu entscheiden und sie gegebenenfalls zu kürzen, aber wir werden unser Bestes tun, auch für diese ein Forum zu sein. Ansonsten kann man alle Texte natürlich auch ungekürzt auf unserer Website oder auf Social-Media-Angeboten kommentieren.

Damit diese Diskussion noch transparenter stattfinden kann, haben wir uns entschlossen unsere redaktionsinternen Regeln auch zu veröffentlichen. Sie sind ein lebendes, sicher verbesserungswürdiges Dokument, aber wir hoffen, damit deutlicher zu machen warum diese und zukünftige StudentenPACK-Ausgaben aussehen wie sie aussehen.

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