StudentenPACK: Was ist Future E.D.M.?

Elena Spall: Future E.D.M. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich vor allem aus Lübecker Studenten zusammensetzt. Unser Ziel ist es, Projekte im Senegal zu unterstützen und so Entwicklungshilfe zu betreiben. Unsere Arbeit konzentriert sich dabei auf die Region um die Küstenstadt M‘bour, der viertgrößten Stadt des Senegal.

PACK: Was bedeutet der Name?

Elena: Future ist französisch – kann man sich ja denken, wie im Englischen. E.D.M. sind Abkürzungen für „enfants défavorisés et malades“ – das bedeutet „kranke und benachteiligte Kinder“. Unser Vereinsname ist unser Motto: Eine Zukunft für kranke und benachteiligte Kinder.

Kinder des Gymnasiums CALD in M'bour, Senegal freuen sich, dass sie dank Future E.D.M. in die Schule gehen dürfen.Elena Spall

Kinder des Gymnasiums CALD in M’bour, Senegal freuen sich, dass sie dank Future E.D.M. in die Schule gehen dürfen.

PACK: Wie kommt man auf die Idee, so einen Verein zu gründen?

Elena: Ich war vor fünf Jahren zum ersten Mal im Senegal und habe dort ein Pflegepraktikum im Kinderkrankenhaus gemacht. So habe ich Kultur, Land, Leute und die dortigen Verhältnisse kennen gelernt. Ich habe die Armut, das Leid, aber auch Zusammenhalt und große Gastfreundschaft erlebt. Das hat mich so geprägt, dass ich mich dort noch weiter engagieren wollte.

PACK: Auf welche Weise zeigt sich euer Einsatz vor Ort? Was könnt ihr dort tatsächlich bewirken?

Elena: Unser Einsatz besteht im Moment darin, Schulpatenschaften zu unterstützen. Wir fördern im Moment zwölf Kinder, für die wir die finanzielle Grundlage der Schulbildung liefern. Ein Kind für ein Jahr in die Schule zu schicken, kostet ungefähr 50 Euro. Wir möchten in Zukunft noch mehr Kinder aufnehmen, um durch Bildung Veränderungen herbeizuführen. Wenn man bedenkt, dass im Senegal eine Analphabetenrate von 60% herrscht, ist es nicht selbstverständlich, lesen und schreiben zu können. Sieben unserer Kinder sind zudem Waisen. Vor ein paar Wochen haben wir Briefe bekommen, darunter auch einen von einem achtzehnjährigen Jungen, der Anfang des Jahres beide Eltern verloren hat. Er schreibt, er habe nicht damit gerechnet, weiterhin in die Schule gehen zu können. Er habe sich schließlich nicht einmal die 15 Euro für das Schulmaterial leisten können. Jetzt macht er gerade sein Abitur und möchte danach gern Medizin studieren.

PACK: Wie läuft die Organisation im Senegal ab und an wen geht dort das Geld?

Elena: Wir haben vor Ort einen Partnerverein. Der setzt sich zusammen aus meinen senegalesischen Freunden, die ich seit Jahren kenne und zu denen ich ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut habe. Diese stellen vor Ort sicher, dass das Geld auch wirklich da ankommt, wo es gebraucht wird. Die Mittel für die Schulpatenschaften gehen zum Beispiel direkt an die Schulen. Für jedes Kind bekommen wir eine Quittung, eine Urkunde und eine Schulbescheinigung. Dadurch, dass wir die Partner vor Ort haben, können wir einschätzen, welcher Bedarf herrscht. So können wir sicherstellen, dass die Kinder, die wir in die Schule schicken, tatsächlich aus bedürftigen Familien stammen und die Schulbildung nicht selbst finanzieren könnten. Sowohl wir als auch die Leute vom Verein vor Ort arbeiten komplett ehrenamtlich – es bekommt also niemand ein Gehalt für seine Arbeit. Alle Spenden, die wir empfangen, kommen daher auch eins zu eins an – wir haben keine Verwaltungskosten.

PACK: Fahrt ihr auch selbst in den Senegal?

Elena: Ich war vor kurzem zum dritten Mal dort und wir wollen wahrscheinlich im nächsten Jahr mit mehreren Leuten aus dem Verein dorthin fliegen und uns vor Ort alles gemeinsam anschauen – auch um sicherzustellen, dass die Dinge, die man so regelmäßig zurückgemeldet bekommen hat, auch wirklich so sind.

PACK: Wie viele Personen seid ihr im Moment in Lübeck und im Senegal?

Elena: Wir sind im Moment sieben junge Leute in Lübeck, die sich „die Vorstandschaft“ nennen, also die Planung und die Organisation übernehmen. Davon sind fünf Studenten – die anderen beiden arbeiten schon. Vor Ort im Partnerverein ist ein Personenkreis von mindestens 20 Leuten beteiligt. Alles in allem würde ich sagen, dass momentan 30 bis 40 Leute gemeinsam an dem Projekt arbeiten.

PACK: Es klingt nach einer ziemlichen Herausforderung, so etwas komplett studentisch zu organisieren. Woher bekommt ihr euer Geld?

Elena: Im Moment finanzieren wir uns über Aktionen, wie den Kuchen- und Waffelverkauf – den hat der ein oder andere vielleicht ja schon vor der Mensa gesehen. Jetzt in der Weihnachtszeit haben wir vor, Basare in Lübeck zu organisieren, um dort Geld zu erwirtschaften. Wir kooperieren mit einem Lübecker Verein – mit der Brücke – und da mit der Ergotherapiegruppe. Die basteln uns jetzt verschiedene Gemälde und Handarbeiten, zum Beispiel Holzschnitte vom Holstentor, die wir dann auf dem Markt verkaufen wollen. In der Weihnachtszeit hoffen wir auf Großspenden von Lübecker Firmen. Um langfristig bestehen zu können, suchen wir aktive Mitglieder, die sich zum Beispiel mit einem studentenfreundlichen Beitrag von 4 Euro im Monat sich beteiligen.

Die Vorstandschaft- Studenten der Uni Lübeck Hinten (von links nach rechts): Gary Lewis, Svenja Kohler, Elena Spall, Annkathrin Möhring Vorne: Johanna Crämer, Drew Hickling.Elena Spall

Die Vorstandschaft- Studenten der Uni Lübeck Hinten (von links nach rechts): Gary Lewis, Svenja Kohler, Elena Spall, Annkathrin Möhring Vorne: Johanna Crämer, Drew Hickling.

PACK: Habt ihr Pläne für die Zukunft?

Elena: Es gibt einige Projekte, die uns so vorschweben. Wir wollen auf jeden Fall das Schulpatenschaftsprogramm erweitern. Vier unserer Kinder machen in diesem Jahr ihr Abitur, sodass wir die ersten Früchte unseres Engagements sehen. Wir wollen auf jeden Fall die Kinder weiter mit einer Ausbildung unterstützen, sodass sie einen Beruf erlernen können und so später bessere Voraussetzungen haben, ihre Familie ernähren zu können. Außerdem haben wir ein Stück Land im Senegal und auch eine Idee die uns vorschwebt: Bedürftige sollen dort selbst Getreide und Gemüse anbauen können und dadurch selbst ihren Unterhalt sichern können. Den Ernteüberschuss könnten sie auf dem Markt verkaufen und sich so ein kleines Einkommen erwirtschaften. Auch dies würde über unseren Partnerverein koordiniert werden, der auch ehrenamtliche Sozialarbeiter beschäftigt. Wir sind zwar im Moment noch ein sehr kleiner Verein und es ist ein kleines Projekt, das wir vor Ort haben. Auf jeden Fall möchten wir noch wachsen. Trotzdem möchten wir lieber erfolgreich ein kleines Projekt durchführen, – und das direkt vor Ort, ohne Verwaltungskosten und in Partnerschaft mit einem lokalen Verein – als uns zu übernehmen.

PACK: Wenn man euch unterstützen möchte – wo kann man sich melden?

Elena: Wir haben eine Homepage (www.future-edm.com), auf der noch mehr Hintergrundinformationen und Fotos zu finden sind. Über die Website kann man bei uns zu einem studentischen Beitrag von 4 Euro im Monat Mitglied werden. Wir sind aber auch dankbar für jede Unterstützung unserer Aktionen wie des Kuchenverkaufes. Sämtliche Leute, die sich gern einbringen wollen, sind bei uns willkommen. Dafür haben wir auch eine eMail-Adresse (info@future-edm.com), über die man sich bei uns melden kann.

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