„Migration-Integration-Isolation“: das Thema einer ganzen Woche, in der sich Lübecker Studierende mit Themen auseinandersetzten konnten, die hoch aktuell, aber nicht in den Curricula der Studiengänge unserer Universität zu finden sind. Wir vom AStA wollten mit der Woche Anregungen zum Nachdenken und Diskutieren geben, aber auch den Studierenden die Möglichkeit bieten, sich mal auf etwas andere Weise einzubringen, und das eine oder andere versteckte Talent an unserer Uni entdecken. Deswegen wollten wir auch die Möglichkeit schaffen, sich mit dem politischen Titel der Woche auf eine kreative Art und Weise zu befassen – die Idee des Kreativwettbewerbs war geboren.

Wir schrieben den Wettbewerb schon in den Semesterferien aus und freuten uns sehr über die positive Resonanz. Sieben Texte und vier Fotos beziehungsweise Fotoreihen erreichten uns und wurden in der Zeit der Aktionswoche und noch darüber hinaus im Foyer des Audimax ausgestellt.

Dies hat uns darin bestärkt, dass es einige Künstler an unserer Uni gibt, und uns ermutigt, demnächst noch einmal einen Kreativwettbewerb auszuschreiben.

Gewonnen hat das Bild von Dennis Boldt, eine Kollage, die er nach seiner Reise durch Rumänien erstellt hat. Das Siegergedicht heißt „Der Fremdmacher“ und stammt von Aqsa Adil. Ein weiteres, schönes Gedicht sandte Olga Kopeleva mit „WANDEL“ ein, das wir euch nicht vorenthalten wollen.

 

Der Fremdmacher

von Aqsa Adil

Von den Tausend Düften, die um mich buhlen,
ist mir der dieser Erde am Bedeutendsten
Von den buntesten Klängen dieser Welt,
ist mir der deiner-meiner Sprache am Kostbarsten.
Von den unvergesslichen Farben unserer Zeit,
ist mir die unser Spielgefährten am Bewundernswertesten-
und dennoch: „Woher kommst du?“

Stark stehe oder schwach falle ich,
Nicht einzig ich bin es mit solcher Kraft in der Hand.
Nach der Sonne strecken- du und ich,
Nach demselben Wasser dürsten- du und ich,
Desselben Schöpfung- du und ich-
und dennoch: „Woher kommst du wirklich?“

Das Abbild deines Inneren ist mein Inneres,
fürchtest du die Dunkelheit, so fürchte ich auch nicht das Licht.
Schreist du, schweige ich nicht, schreie ich, schweige nicht!
Mensch-Sein verschuldet, leicht das Mensch-Sein zerbricht.
Zerbrechlich die Worte der Freiheit, mächtig der Schoß der Angst,
das Erkämpfte immer wieder erkämpfen, kein Verlass auf Ewiges-
und dennoch: „Woher kommst du wirklich wirklich?“

Wirklich, wirklich- was an mir ist unwirklich?

 

WANDEL

von Olga Kopeleva

großer Krieg im eig’nen Land
sie reißen nieder Wand für Wand
die eig’ne Heimat wird zur Qual
und mir bleibt keine and’re Wahl
für mich die traurige Station
Entscheidung für die Migration

gekommen an den neuen Ort
fern von Freunden, sehr weit fort
kenn‘ weder Sprache noch Kultur
lass mir nicht helfen, keine Spur
verharre nur in Tradition
verschwinde in Isolation

doch bald halt‘ ich es nicht mehr aus
so einsam – bitte HELFT MIR raus
bin auch bereit für Kompromisse
solang‘ ich nicht mein Selbst vermisse
führt ihr mich Schritt für Schritt voran,
dass ich mich integrieren kann

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