Seit 350 Jahren im Einsatz: der Pestdoc.AStA der Universität zu Lübeck

Seit 350 Jahren im Einsatz: der Pestdoc.

Das Logo des AStAs ist der Pestdoc, das weiß jeder. Aber warum ist er das? Warum ist ein Mann in einer wirkungslosen spät-mittelalterlichen Verkleidung, die ihn gegen eine ansteckende Krankheit schützen soll, das Logo des Allgemeinen Studierendenausschusses? Im AStA nachgefragt hört man zu dem Thema nicht erleuchtendes. „Vielleicht weil das mal ’ne Mediziner-Uni war?“, rätseln einige, aber schlüssige Erklärungen gibt es keine. Das ist auch kein Wunder, denn der Pestdoc ist das Logo solange sich irgendein Student zurückerinnern kann.

Für unsere Nachforschungen also eine Sackgasse.

Glücklicherweise führt der AStA ein Archiv, in welchem sich viele der alten Protokolle und Studentenzeitungen finden. Wenn das Logo irgendwann eingeführt wurde, so muss das auch dokumentiert worden sein. Die Nachforschungen sind aber so unergiebig wie die Nachfrage im AStA, das Logo taucht irgendwann auf, als wäre es schon immer da gewesen.

Man könnte meinen, hier wären unsere Nachforschungen an einem Ende. Warum sollte man sich die Mühe auch machen? Das Logo ist denkbar unbeliebt im AStA. Viele wollen ein AStA-T-Shirt nicht anziehen, schon weil der Pestdoc drauf ist. So unbeliebt, dass der AStA auf der Suche nach einem neuen Logo ist. Warum also nach seinem Ursprung suchen? Weil es ein Teil der Geschichte der Uni ist, und weil ein Rätsel immer dazu auffordert, gelöst zu werden.

Vielleicht muss man dieses Rätsel aber von einer anderen Perspektive betrachten: Was ist das überhaupt für ein Arzt, was ist das für ein Bild? Das Internet, unendliche Quelle an Information, ist in diesem Fall unser Freund. Eine kurze Suche ergibt: Der Pestdoc ist nicht irgendein Pestarzt, es ist quasi der Pestarzt. „Doctor Schnabel von Rom“ ist ein Kupferstich, den Paul Fürst 1656 anfertigte. Es ist eines der bekanntesten Bilder eines Pestarztes und hat das moderne Bild dieser Berufsgruppe geprägt. Pestärzte zogen während der Zeit des schwarzen Todes, wie die Krankheit auch genannt wurde, von Haus zu Haus und stellten fest, ob Personen erkrankt waren. In ihren Masken hatten sie einen Essig getränkten Schwamm, von dem sie hofften, er würde sie vor Infektionen schützen. Mit dem Stock zeigten sie auf Stellen, von denen sie meinten, sie müssten behandelt werden. Dank der spitzen Masken handelten sie sich den Spottnamen „Doktor Schnabel“ ein.

Doctor Schnabel von RomPaul Fürst, 1656

Doctor Schnabel von Rom

Paul Fürst, dies verrät uns Wikipedia, war Verleger, Kunst- und Buchhändler und lebte von 1608 bis 1666 in Nürnberg, wo er Selbstmord beging.
Vorlage für den Pestarzt war anscheinend ein Bild von J. Columbina, über den das Internet aber weniger Information herausgibt.

Keiner der beiden scheint eine Verbindung zu Lübeck zu haben, aber sicherheitshalber fragen wir die Fachleute am Lübecker Museum für Archäologie: Im Burgkloster steht eine Figur eines Pestarztes in einer Ausstellung, doch erst seit der Neueröffnung am 12. Juli 2005, er ist also nicht der Grund. Dass dort eine Figur des Dr. Schnabel steht, liegt an einem Massengrab, das Anfang der Neunziger in Lübeck gehoben wurde. Dies ging damals durch die Medien in Lübeck und hat sicher das Bewusstsein für Lübeck zu Pestzeiten gestärkt, aber eine Verbindung zur Universität oder ihren Studenten kann Doris Mührenberg, Archäologin am Burgkloster, nicht erkennen. Auch Sie ist verwundert darüber, dass der AStA dieses Logo erwählt hat. Dass die Pest in Lübeck wütete, ist nicht so ungewöhnlich für die Zeit, zumindest wenn man bedenkt, dass Lübeck eine viel angefahrene Hansestadt war.

Hat es vielleicht damals, Anfang der Neunziger, eine Konferenz zur Pest gegeben, an welcher Studenten beteiligt waren? Diese Legende erzählen einem Studenten, die länger an dieser Uni sind. Engagierte Studenten hätten an einer Konferenz über Pest teilgenommen, danach diffundierten sie in die Gremien und übernahmen ihr Logo. Doch Beweise für eine solche Konferenz sind nicht zu finden. Die Geschichte Lübecks erklärt also auch nicht, warum Studenten irgendwann dieses Logo wählten, das können sie nur selber erklären. Es gibt eine Chance diese Studenten noch zu erreichen: die Alumni. Der Verein ehemaliger Studenten und Universitätsmitarbeiter könnte Mitglieder haben, die Bescheid wissen. Der Brief ist schnell aufgesetzt und dann heißt es warten. Die Alumni sind hilfsbereit und schreiben uns schnell. Sie helfen uns, das Fenster etwas einzuengen. Felix Libau, der sein Examen in Lübeck 1992 ablegte, erinnert sich daran, dass das Logo bereits existierte. Auch andere Rückmeldungen bestätigen, dass seit den Neunzigern der „Pestdoc“ den AStA repräsentiert. Leider ist das alles, was wir erfahren.

Ein letzten Versuch unternehmen wir noch: das Institut für Medizingeschichte. Doch Professor Dietrich von Engelhardt kann uns leider auch nicht helfen.

Das Resultat ist enttäuschend, aber alle Möglichkeiten sind erschöpft. Es ist wohl wirklich Zeit, das alte AStA-Logo ziehen zu lassen.

Schon allein um uns aufzumuntern, wenden wir uns noch kurz den Fachschaften und ihren Logos zu.

Die Fachschaft Medizin präsentiert sich mit einem EKG in der Form der Lübecker Skyline, die Symbolik ist treffend und leicht verständlich, da muss man sich gar nicht groß Gedanken machen. Erfreulich.

Die Fachschaften cs|mls machen es uns ein kleines bisschen schwieriger. Was als der „Fachschaftshund“ bekannt ist, ist eine Ansammlung von Punkten, die mit viel Phantasie, geneigtem Kopf und zugekniffenem linken Auge wie ein Hund aussieht. Das Logo ist noch recht neu. Bei einer Ausschreibung 2005 gewann der Vorschlag von Jens Heyder gegen mehrere andere Einsendungen. Doch was soll es heißen?

Der Gewinner des Logowettbewerbs 2005.Fachschaften cs|mls

Der Gewinner des Logowettbewerbs 2005.

Wenn man „FS.tnf“ als ASCII-Code binär aufschreibt, jeden Buchstaben in eine Zeile schreibt und den Nullen ein Molekül, den Einsen keines gibt, entsteht ein Muster. Im endgültigen Logo sind die Zeilen noch leicht gegeneinander verschoben. So symbolisiert das Logo sowohl – mit ASCII und Binärdarstellung – die informatisch-mathematischen Studiengänge als auch mit den Molekülen den Studiengang MLS.

Logoausschreibung 2013

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